Der Orient-Teppich - früher und heute


geschrieben am:26.08.2014 15:04 von Nima

Bei der Bezeichnung Orient-Teppich denken wir doch alle wahrscheinlich direkt an wertvolle

handgearbeitete Teppiche in leuchtenden Farben wie rubinrot oder smaragdblau, allesamt aus

dem Morgenland, dem Land der aufgehenden Sonne.

Manch Einer wird sich ganz romantisch eine alte Frau mit zerfurchtem Gesicht und Kopftuch

vorstellen, wie sie vor einem pullernden Ofen hockt und den riesigen Orientteppich die kalten

Winterabende über herstellt.

Wieder andere, mit vielleicht noch romantischeren Vorstellungen, mögen mit dem Begriff und

Webstück Orient-Teppich wiederum die sagenumwobene Gestalt des Aladin assoziieren und wie

er mit seiner Wunderlampe in der Hand auf seinem fliegenden Teppich mit prächtigen Ornamenten

und kostbarer goldener Bordüre durch die Lüfte reist.

Doch nun einmal weg von solch phantastischen Vorstellungen und nicht mehr ganz richtigen

und zeitgemäßen Ansichten hinsichtlich der Orient-Teppiche.


Wo kommt der Orient-Teppich eigentlich her und wie alt ist er?

Die Bezeichnung Orient ist alt und hat im Laufe der Zeit immer wieder einen Bedeutungswandel

insofern erfahren, als dass sich geografische Zuordnungen verändert haben. Früher war mit

Orient die gesamte asiatische Welt angesprochen, wohingegen heutzutage Länder des Nahen

Ostens und arabrisch-islamische Länder gemeint sind.

Der so genannte Orient-Teppich wird auch heute noch in vielen Gegenden gefertigt, so etwa im

gesamten Nahen Osten, im Mittleren- wie im Fernen Osten. Demnach kommt der Orient-Teppich

aus Ländern, die sich über das gesamte riesige Gebiet zwischen Albanien und China erstrecken.

In der heutigen geografischen Vorstellung vom Orient ordnen wir beispielsweise China jedoch

gar nicht mehr dem Orient zu.

Vielleicht sollte man also nicht sonderlich wortklauberisch sein, wenn es um den Orient-Teppich

und eine klare geographische Zuordnung hinsichtlich der Herkunft geht.

Etwas klarer definieren kann man hingen die Ursprünge und Anfänge der Teppiche aus dem

Morgenland.

Klassischer Muster und Orient-Look bei teppichcebter24

In heutiger Zeit wird davon ausgegangen, dass die Geburt der Teppichherstellung bei Nomadenvölkern

zu suchen und zu finden ist. Für den Alltag der herumschweifenden Sammler und Jäger

sowie der Hirtenvölker war es ungemein wichtig, warme Decken, Zelte zur Behausung, Behälter

und Materialien für den Transport zu haben und auch selber herstellen zu können. So fertigten

sich die damaligen Nomaden selber ihre Zelte, Taschen, Säcke, Decken und auch Teppiche als

Sitzgelegenheiten und Wandbehänge ihrer textilen Unterkünfte zu dem so genannten Kelim, der

als Vorläufer unserer heutigen Flachgewebe gilt. Die Ursprünge der geflochtenen Kelim-Gewebe

werden im zentralen- und mittelasiatischen Raum vermutet und als eine Art Vorstufe der Weberei

betrachtet. Interessant zu wissen ist auch noch, dass die Kelims der Nomaden auf beiden

Seiten ein Muster hatten. Verwendet haben sie für diese Textilien Ziegen- und Kamelhaar.

Für die damaligen ganz simpel gefertigten Teppiche wurde noch Schafswolle verwendet. Demnach

sollten wir uns die so genannten ersten Teppiche wie einen Filz vorstellen. Es ist davon

auszugehen, dass für die Teppich-Herstellung damals oftmals und im Gegensatz zur Kelim-Herstellung

von den Nomaden geschorene Schafswolle befeuchtet und stetig zusammengedrückt

wurde, bis die Form des Filzteppichs zutage trat.

Die damaligen flachgewebten Kelims hingegen sind schon von etwas höherer Qualität als die

Filzteppiche. Bei den Kelims wurde die Wolle nicht bloß gerieben, sondern Fäden wurden miteinander

verflochten. Deshalb spricht man beim Kelim auch nicht von geknüpften Teppichen,

sondern von gewebten. Da der Kelim keinen Flor hat wird er als das erwähnte Flachgewebe

bezeichnet.

Seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts gewinnt der Kelim in Europa vermehrt an Bedeutung.

Der Kelim als Wohninterieur steht für Ursprünglichkeit und Unverfälschtheit, gespiegelt

oftmals mittels der abstrakten Ornamente, die dem Kelim eigen sind.

Moderne Teppiche im Kelim Look bei uns im Shop teppichcenter24

Nomadenvölker, aber auch erste sesshaft gewordene Bauern praktizierten die Herstellung von

Kelims und Filzteppichen bereits vor 10.000 Jahren.

Ein ganzes Stück jünger ist wahrscheinlich der älteste beziehungsweise der älteste heute noch

existierende Teppich. Er soll aus der nördlichen Mongolei stammen, zumindest wurde er im

Altaigebirge in einem ca. 2000 Jahre alten Grab eines einstigen Fürsten entdeckt. Dieser Teppich

wird auch Pasyryk genannt. Seinen Namen hat der heute in einem Museum in Sankt Petersburg

ausgestellte Teppich nach seinem Fundplatz im Pasyryk-Hochtrockental erhalten.

Der Pasyryk ist ein Wollknüpfteppich mit sehr hoher Knüpfdichte, was für einen Teppich seines

Alters als ungewöhnlich gilt. Es wird davon ausgegangen, dass dieser seltene Fund im 5. Jahrhundert

vor Christus entstanden ist.

Es gibt Hinweise dafür, dass bereits vor Erstellung des besagten Pasyryk Teppiche hergestellt

wurden. So geht die heutige Geschichtsforschung von einem ersten Knüpfzentrum aus, in dem

in der heutigen Türkei in der Stadt Erzurum sehr früh Teppiche gefertigt wurden. Aus dem 3. und

dem 6. Jahrhundert existieren Teppichfunde aus Turfan in China.

Für eine ganze Weile, genauer gesagt für viele Jahrhunderte, verliert sich die Spur der Teppiche

und der Orient-Teppiche. Weitere Funde alter Teppiche und gewebter Kunstwerke sind erst wieder

im 13. Jahrhundert zu verzeichnen. Ab nun liegen die Fundorte auch in Europa. Wahrscheinlich

weil zuerst Kreuzritter, später Reisende und Geschäftsleute aus dem Morgenland neue Waren

und Luxusgüter auf den europäischen Kontinent mitbrachten und nach und nach diese auf den

heimischen Märkten etablierten. Die Teppiche aus dem Orient boten leuchtende Farben und bislang

unbekannte Muster, exotische Ornamente und kostbare Bordüren, die den Orient-Teppich

nicht bloß zu einer interessanten Neuheit in den westlichen Gefilden machten. Der neue Teppich

war erlesen, wertvoll und oftmals sehr künstlerisch.

Der heutige Orient-Teppich stammt wie der damalige aus ganz unterschiedlichen Gegenden.

Heutzutage wird jedoch eine bestimmt Unterteilung nach Landesgrenzen vorgenommen. Folglich

lassen sich unter der Bezeichnung Orient-Teppiche diverse Teppiche zusammenfassen, so

etwa die anatolischen, kaukasischen, afghanischen, chinesischen oder turkmenischen Teppiche.

Besondere Berühmtheit genießen natürlich die so genannten Perserteppiche, die aus dem einstigen

Persien und dem heutigen Iran stammen.

So verschieden die lokalen Ursprünge sind und sein konnten, so gibt es in unserer heutigen Zeit

den Orient-Teppich in zahllosen Qualitäten und in allerlei Formen. Orient-Teppiche werden nach

wie vor aus Wolle oder Ziegenhaar gefertigt, ebenso können sie aus Baumwolle oder Baumwollanteilen

und hochwertiger Seide hergestellt sein. Demnach ist die Anmutung eines Orient-Teppichs

nicht immer gleich und es gibt ganze Bandbreiten von Florhöhen.

Das Besondere des Orient-Teppichs

So wie bereits die Nomaden, etwa in Zentralasien, vor 10.000 Jahren Teppiche ganz einfach und

schlicht aus Schafswolle hergestellt haben und sie diese Textilien in kalten Nächten zum Beispiel

vor gefrorenen Böden schützten, so ist auch heute der geknüpfte Wollteppich mit der Wärme

eines Schaffells sehr vergleichbar. Was der Teppich dem bloß wärmenden Garn und Textil aber

voraushat und mithin der Entstehung der Orient-Teppiche möglich wurde, ist die Gestaltung der

Oberfläche der Wand-und Bodenbehänge. Eben diese Gestaltung lebt von den Farben und Motiven

der Teppiche, für den der Orient-Teppich bekannt ist.

Eines der wesentlichen Momente der Orient-Teppiche ist das so genannte Unendlichkeitsprinzip.

Die Wiederholung bestimmter Grundmotive, in harmonischem Arrangement untereinander

und mit den verwendeten Farben, oftmals in Rot, Blau oder Gelb, bewirken beim Betrachter des

Orient-Teppichs neben einer ausgewogenen Gestaltung den Eindruck von Unendlichkeit. Die

Anordnung der Grundelemente und die Farbkompositionen suggerieren ganz bewusst, dass der

Teppich nicht an der edlen Bordüre endet, sondern sich weit und groß darüber hinaus erstreckt.

Der Orient-Teppich ist oftmals nicht bloß aufgrund der Herstellung wertvoll. Vielmehr entsteht

beim Anblick des Teppichs ein Gefühl von Kostbarkeit, da das Textil groß, unendlich und demnach

sehr wertvoll erscheint. Es war bereits zu früheren Zeiten nicht bloß die teure Farbe, die in

mühsamer Arbeit aus dem Blüten- und Blätterreichtum der Natur gewonnen wurde, die den

Orient-Teppich zum wertvollen und geknüpften Kunstwerk gemacht hat. Die optische und angenehme

Täuschung, die in solchen Teppichen verwoben ist, steht für eine großartige handwerkliche

und künstlerische Leistung, deren Tradition inzwischen seit vielen Jahrhunderten fortgesetzt

wird.

In unserem Beitrag über die verschiedenen Teppich-Ornamente, ihre Ursprünge und Formen,

verraten wir noch mehr über die Geschichte der Orient-Teppiche.

moderne Formen und Muster, Orient Teppiche von heute

Orient-Teppich klassisch Klassiker Ornamente edle Bordüre geometrische Formen Perserteppich moderne Klassiker

Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt.
© 2016 by Diva Teppich Center
Design by PurPure | Code by schoenkannjeder
Nach oben