Ornamente - der geschmückte und verzierte Teppich


geschrieben am:26.08.2014 15:49 von Nima

Ob moderner Designer-Teppich oder klassischer Perserteppich, überall stoßen wir auf Muster,

und Verzierungen oder für mancherlei Empfinden auch auf Schnörkeleien. Kurz gesagt, wir

stoßen auf Ornamente. Aber streng genommen sollten all diese Begriffe nicht miteinander

vermengt werden. Denn ein Ornament, wie es etwa in pompösen Stuckarbeiten in einem herrschaftlichen

Altbau vorkommt, sich über eine kostbare Tapete mit Goldmotiven oder etwa über

einem handgeknüpften Perserteppich aus Teheran erstreckt, sollte nicht als bloße Dekoration

bezeichnet oder abgetan werden.

Ornamente sind mehr, ihre Funktion geht weit über den Charakter der Verzierung hinaus.

In der Regel steht ein Ornament nicht für sich. Vielmehr leben Ornamente von der Wiederholung,

sie treten demnach in Gruppen oder Reihen auf, beziehungsweise sind Ornamente oft Teil einer

Gruppe oder Reihe. Ein bisschen ist es wie bei Formationen, wie sie uns aus dem Bereich des Militärs,

von Flugzeugen, aus geologischen Karten oder gar aus der Natur, beispielsweise von den

Zugvögeln bekannt sind. Nicht der einzelne Zugvogel aus der Reihe der Vögel ist eine Formation

für sich, sondern die Tiere bilden gemeinsam die Formation. Jeder einzelne Bestandteil der Formation

ist wichtig, um überhaupt von dieser oder jener Formation sprechen zu können.

In Formationen werden ganz bestimmte Anordnungen gewählt, und dass zu einem ganz bestimmten

Zweck. In einer geologischen Karte wird z.B. von Formationen gesprochen insofern, als

dass verschiedene Gesteinsabfolgen gut voneinander erkennbar dargestellt sind. Die einzelnen

Formationen in einem solchen Kartenwerk lassen sich wieder zu größeren Einheiten zusammenfassen

und auf diese Weise wird Orientierung möglich.

Formationen oder besser gesagt Ornamente und sich wiederholende Grundelemente auf einem

Teppich dienen im Normalfall natürlich nicht der Orientierung, aber auch hier werden Formen

und Gruppen während der Teppich-Herstellung arrangiert, um einen Effekt zu erzielen.

Eine der Funktionen ist das bereits in unserem Artikel „Orient-Teppiche“ erwähnte Unendlichkeitsprinzip.

Einzelne Grundmotive werden in einer Weise angeordnet und mit Hilfe farblicher

Kontraste vom Hintergrund abgesetzt, so dass eine Art optische Täuschung entsteht. Der Betrachter

des Teppichs gewinnt den Eindruck, dass sich die in Gruppen angeordneten Elemente,

also die Muster und Ornamente über den Teppichrand hinaus erstrecken. Dieses Empfinden ist

kein Zufall. Vielmehr führen Teppich-Designer und Kunsthandwerker der Orient-Teppich-Herstellung

durchaus gewollt und ganz bewusst einen solchen Eindruck herbei. Harmonie und eine

angenehme Stimmung können mit einem gut gemachten Teppich und seinem ausgewogenen

Arrangement von Ornamenten erzeugt werden. Zudem suggerieren aufwendig entwickelte

Muster, die etwa Endlosigkeit evozieren, ein Gefühl von Kostbarkeit.

Meistens sind Ornamente von einem Bild zu unterscheiden. Denn ein Bild folgt in der Regel einem

bestimmten Aufbauschema und besteht aus unterschiedlichen Ebenen und Bereichen, die

sich vom Aufbau der Ornamente unterscheiden.

einfache Grundmotive zu Mustern zusammengefügt, moderne Teppiche mit Ornamenten

Ornamente bestehen wie bereits erwähnt oftmals aus Grundelementen. Diese Formen sind eher

einfach gestaltet und werden mit ihresgleichen oder andren Formen zu einem Muster angeordnet,

welches wiederum einfach oder besser gesagt abstrahiert gehalten ist. Diese abstrahierten

oder abstrakten Muster sind immer wieder symbolisch zu verstehen. Der symbolische Gehalt

von Ornamenten erschließt sich dem Betrachter oftmals nur aus dem Zusammenhang oder mit

Hintergrundwissen. So muss vielleicht ein Ornament im Rahmen des Ganzen betrachtet werden,

ebenso wie die Zugvögel nur in einer gewissen Anordnung als Formation zu verstehen sind.

Oder aber die Symbolfunktion von Ornamenten erschließt sich nur, wenn man etwas über Zeit

und Ort der Entstehung des Bauwerks oder aber des Teppichs weiß.

Die Teppich-Herstellung bietet schöne und griffige Beispiele, um den Charakter von Ornamenten

zu beschreiben. Neben dem Unendlichkeitsprinzip ist eine weitere Funktion von Ornamenten die

oftmals deutliche Trennung von Vorder- und Hintergrund. Das Ornament und die Grundelemente

werden kontrastreich vom Hintergrund abgesetzt. Beispiele dafür lassen sich auf kunsthandwerklichem

Porzellan, in Kirchen oder an Hausfassaden der alten so genannten Patrizierhäuser

finden. Dort heben sich die einzelnen Schmuckelemente der Muster und das Muster als ganzes

vom Träger ab, demnach von der Wand, der Fassade oder der Vase.

Beim ornamentenreichen Teppich verhält es sich nicht anders. Ganz gleich ob Blumenranken mit

ausgearbeiteten Details oder abstrakte geometrische Formen, die Teppich-Ornamente stehen im

Vordergrund und der Hintergrund wirkt wie ein Trägermaterial für die Muster.

Gängige Ornamente mit langer Tradition bei Perserteppichen oder Orient-Teppichen haben zum

Beispiel der achteckige Stern, Rosetten oder verschiedene Kreuzformen.

Moderner Teppich mit Ornamenten und farbenstark

Bordüren und Feldmotive

Ein weiteres ganz wesentliches Gestaltungsmoment der Teppiche aus dem einstigen Morgenland

ist die Unterteilung der Motive in so genannte Feldmotive und Randmotive. Diese Bezeichnungen

sind ganz wörtlich zu verstehen. Die Feldmotive sind in der Mitte und mitten auf

dem Teppich angeordnet und die Randmotive finden sich auf Perser- und Orient-Teppichen im

Randbereich der Teppiche. Oftmals im Wechsel werden unterschiedliche Motive nacheinander

angeordnet und sie bilden den Abschluss des Teppichs zum Rand und den Teppichfransen hin.

Die Randmotive sind ihrem Wesen nach eine Bordüre und im Teppichsegment generell wird der

Randbereich oftmals als Bordüre oder auch Borte bezeichnet. Welcher Name auch immer, die

Bordüre ist beim Teppich stets der Bereich hin zur Teppichkante und bei vielen Teppich-Modellen

ist dieser Bereich verziert und mit farbigen oder unifarbenen Mustern und Ornamenten, zumindest

aber vom Rest des Teppichs abgesetzt.

Teppich mit Randbereich, Bordüre oder Borte

Ein bekanntes Motiv für den Randbereich beim Perserteppich wird mir Rand-Herati bezeichnet.

Dieser Teppichkante ist der Wechsel der Elemente des blühenden Zweiges, der Rosette und

Blumen eigen. Ein weiteres Beispiel für eine bekannte Bordüre des persischen Orient-Teppichs ist

das Boeth-Motiv. Boeth heißt auf persisch Mandel und eben die Form der Mandel wird im Randbereich

des Teppichs fortlaufend angeordnet.

Auch im inneren Teppichbereich, im Bereich der Feldmotive, findet Boeth oftmals Anwendung.

Ebenfalls häufig im Segment der Orient- beziehungsweise Perser-Teppiche anzufinden ist das

Motiv namens Minah Chani. In diesem Muster wird aus vier Blumen ein Rechteck gebildet, in

dessen Mitte eine weitere kleinere Blume angeordnet ist. Das Muster erinnert in seiner Gänze

oftmals an eine Blumenwiese.

Neben den genannten Mustern gibt es zahlreiche weitere Muster aus verspielten komplexeren

wie aus abstrakteren Formen.

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